Übersetzung

Über|set|zung [y:bɐ'zɛts̮ʊŋ], die; -, -en:
a) <ohne Plural> das Übersetzen:
die Übersetzung des Textes [aus dem/vom Spanischen ins Deutsche] ist schwierig.
Syn.: Übertragung.
b) 2übersetzter Text:
eine wörtliche, wortgetreue, neue, moderne Übersetzung; die Übersetzung ist nicht gut, zu frei; eine Übersetzung von etwas machen, anfertigen, liefern; einen Roman in der Übersetzung lesen.
Syn.: Übertragung.
Zus.: Bibelübersetzung.

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Über|sẹt|zung 〈f. 20
1. Übertragung (eines Textes, Buches, Dokuments) von einer Sprache in eine andere
2. 〈Tech.〉
2.1 Vorrichtung zum Umwandeln einer Drehbewegung in eine Drehbewegung mit anderer Drehzahl
2.2 Verhältnis zwischen Eingangs- u. Ausgangsdrehzahl (eines Getriebes)
● gute, schlechte, gewandte, holprige \Übersetzung; kleine, große \Übersetzung 〈Tech.〉; \Übersetzung aus dem Englischen; das Getriebe hat eine \Übersetzung von 1:4

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Über|sẹt|zung , die; -, -en:
1.
a) <Pl. selten> das 2Übersetzen (1):
für die Ü. des Textes [aus dem/vom Spanischen ins Deutsche] hat er drei Stunden gebraucht;
b) 2übersetzter (1) Text:
eine wörtliche, kongeniale, freie, moderne Ü.;
die Ü. ist miserabel;
eine Ü. von etw. machen, anfertigen, liefern;
die Bibel in der Ü. von Luther;
einen Roman in der Ü. lesen.
2. (Technik) Verhältnis der Drehzahlen zweier über ein Getriebe gekoppelter Wellen; Stufe der mechanischen Bewegungsübertragung:
eine andere Ü. wählen;
er fuhr mit einer größeren Ü.

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Übersetzung,
 
1) Computerlinguistik und künstlicher Intelligenz: Sprachübersetzung.
 
 2) Informatik: Programmübersetzung, Übersetzer.
 
 3) Maschinenbau: Verhältnis der Eingangs- zur Ausgangsgröße einer Kraft, eines Drehmoments, Wegs oder einer Drehzahl; bei Getrieben das Verhältnis zwischen der Antriebs- und Abtriebsdrehzahl des Getriebes oder der Getriebestufe, i = n1 : n2 (n1 Drehzahl der treibenden Welle, n2 Drehzahl der getriebenen Welle). Bei i < 1 liegt eine Übersetzung ins Schnelle vor, bei i > 1 eine Übersetzung ins Langsame (unkorrekt Untersetzung genannt).
 
 4) Philologie: schriftliche Form der Vermittlung eines Textes durch Wiedergabe in einer anderen Sprache unter Berücksichtigung bestimmter Äquivalenzforderungen. Zu differenzieren sind einerseits die interlinguale (Übersetzung von einer Sprache in eine andere), die intersemiotische (Übersetzung von einem Zeichensystem in ein anderes, z. B. vom Text ins Bild) und die intralinguale Übersetzung (Übersetzung von einer Sprachstufe in eine andere, z. B. vom Althochdeutschen ins Neuhochdeutsche, vom Dialekt in die Standard- oder Hochsprache), andererseits umfasst der Oberbegriff die unterschiedlichsten Typen von Übersetzungen, z. B. Glossen, Interlinearversion, Übertragung (Bearbeitung), Nachdichtung (Adaption) oder auch Neuvertextung (z. B. Filmsynchronisation).
 
Seit der Antike ist die Tätigkeit des Übersetzens begleitet von theoretischer Reflexion (von Cicero über Horaz und Hieronymus, den Schutzpatron der Übersetzer, Augustinus, Quintilian, Luther, Goethe, J. G. Herder, F. Schleiermacher, W. von Humboldt bis hin zu W. Benjamin, H.-G. Gadamer und G. Steiner), die sich zwischen den klassischen Gegensätzen von wörtlichem/sinngemäßem, treuem/freiem, verfremdendem/einbürgerndem Übersetzen bewegt, wobei entsprechend die prinzipielle Übersetzbarkeit oder Unübersetzbarkeit propagiert wird.
 
Die Verwissenschaftlichung der Debatte setzte nach dem Zweiten Weltkrieg ein. Aus der Notwendigkeit einer Systematisierung und Rentabilisierung heraus entstanden Ausbildungsmöglichkeiten an Hoch- und Fachschulen, Fachakademien und privaten Einrichtungen; dem Bedürfnis nach Austausch und Weiterbildung tragen Übersetzerakademien und -kongresse Rechnung, dem nach ökonomisch-sozialer Anerkennung die Schaffung von Berufsverbänden (BDÜ: Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer; VdÜ: Verband deutschsprachiger Übersetzer literarischer und wissenschaftlicher Werke).
 
Die moderne Übersetzungswissenschaft (Translatologie, Translatorik) beschäftigt sich mit Human- und maschineller (maschinengestützter) Übersetzung. Während die Übersetzungstheorie oder allgemeine Übersetzungswissenschaft die grundsätzliche Problematik des Übersetzens behandelt, erarbeitet die sprachenpaarbezogene Übersetzungswissenschaft systematisch Übersetzungseinheiten und potenzielle Übersetzungsäquivalente im kontrastiven Vergleich von Ziel- und Ausgangssprache; die textbezogene Übersetzungswissenschaft stellt die Methodik für eine übersetzungsrelevante Textanalyse und Textsortenklassifikation bereit. Die prozessorientierte Übersetzungswissenschaft analysiert die mentalen Abläufe beim Vorgang des Dolmetschens und Übersetzens; die wissenschaftliche Übersetzungskritik ist um die Objektivierbarkeit von Bewertungskriterien bemüht. Fernziel der angewandten Übersetzungswissenschaft ist die Erstellung von Übersetzungswörterbüchern; auf die Ergebnisse aus diesen Teildisziplinen greift die Didaktik des Übersetzens zurück; in ihrer historischen Dimension umfasst die Übersetzungswissenschaft eine theoriegeschichtliche und eine übersetzungs- und rezeptionsgeschichtliche Komponente.
 
Geschichtliches:
 
Die ältesten erhaltenen Übersetzungen reichen ins 3. Jahrtausend v. Chr. zurück (altbabylonische Inschriftentafeln religiösen und administrativen Inhalts in sumerischer und akkadischer Sprache). Jahrtausendelang dominierte - neben Texten wissenschaftlichen und administrativen Charakters - die Übersetzung der religiösen Literatur. Septuaginta, Vulgata, Wulfilabibel waren Meilensteine auf dem Weg der Bibelübersetzung; sie kulminiert in Deutschland in der Lutherbibel, die die Grundlagen für die neuhochdeutsche Schriftsprache schuf. Ein weiterer Hauptstrom der europäischen Übersetzungsgeschichte ist das kontinuierliche Bemühen um die Aktualisierung und Anverwandlung der geistigen Vorbilder der Antike durch wiederholte Übersetzung ihrer Texte, die für Deutschland um 1800 ihren Höhepunkt erreichte: So wurden Homer von J. H. Voss, Platon von F. Schleiermacher, Sophokles von F. Hölderlin, Aischylos von W. von Humboldt, Cicero und Horaz von C. M. Wieland übersetzt. Die bedeutendsten Dichter, Philosophen und Philologen waren auch als Übersetzer tätig; ins Zentrum des Interesses rückten neben den antiken Autoren die Klassiker der europäischen Literatur: So wurden J. Racine von Schiller, B. Cellini von Goethe, P. Calderón de la Barca von Voltaire, Shakespeare von C. M. Wieland, A. W. von Schlegel und L. Tieck (der mit seiner Tochter Dorothea und W. Graf von Baudissin Schlegels Übersetzung weiterführte), Dante von A. W. von Schlegel und M. de Cervantes Saavedra von Tieck übersetzt. Zur sich konstituierenden Weltliteratur zählt auch die literarische Übersetzung aus strukturfernen Sprachen, wie sie sich seit dem 18. Jahrhundert etablierte, so aus dem Sanskrit (die Bhagavadgita in der Übersetzung von A. W. von Schlegel), dem Persischen (Djalal od-Din Rumi nachgedichtet von F. Rückert, Hafis von Goethe) und dem Arabischen (die Makamen des Hariri, übertragen von Rückert). Eine Herausforderung an die Übersetzer stellt die experimentelle Literatur der Moderne und Postmoderne mit ihren formalen und stilistischen Innovationen dar (z. B. J. Joyce mit »Ulysses« und »Finnegan's wake«).
 
 
J. Albrecht: Linguistik u. Ü. (1973);
 H. Meschonnic: Pour la poétique, Bd. 2: Epistémologie de l'écriture. Poétique de la traduction (Paris 1973);
 J. C. Catford: A linguistic theory of translation (London 41974);
 J.-R. Ladmiral: Traduire. Théorèmes pour la traduction (Paris 1979);
 P. Newmark: Approaches to translation (Oxford 1981, Nachdr. ebd. 1986);
 G. Steiner: Nach Babel. Aspekte der Sprache u. der Ü. (a. d. Engl., 1981);
 K. Reiss u. H. J. Vermeer: Grundlegung einer allg. Translationstheorie (1984);
 J.-P. Vinay u. J. Darbelnet: Stylistique comparée du français et de l'anglais. Méthode de traduction (Neuausg. Paris 1985);
 K. Dedecius: Vom Übersetzen (1986);
 
Ü.-Wiss. - eine Neuorientierung. Zur Integrierung von Theorie u. Praxis, hg. v. M. Snell-Hornby (1986);
 
Göttinger Beitrr. zur internat. Übersetzungsforschung, hg. v. B. Schultze, auf mehrere Bde. ber. (1987 ff.);
 C. Nord: Textanalyse u. Übersetzen. Theoret. Grundl., Methode u. didakt. Anwendung einer übersetzungsrelevanten Textanalyse (1988);
 D. Seleskovitch: Der Konferenzdolmetscher (a. d. Frz., 1988);
 
Übersetzer u. Dolmetscher. Theoret. Grundlagen, Ausbildung, Berufspraxis, hg. v. V. Kapp (31991);
 W. Koller: Einf. in die Ü.-Wiss. (41992);
 R. Stolze: Hermeneut. Übersetzen (1992);
 H. J. Vermeer: Skizzen zu einer Gesch. der Translation, 2 Bde. (1992);
 K. Reiss: Texttyp u. Übersetzungsmethode. Der operative Text (31993).
 
Zeitschriften: Lebende Sprachen. Ztschr. für fremde Sprachen in Wiss. u. Praxis (1956 ff.); Actes des assises de la traduction littéraire (Arles 1985 ff.).

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Über|sẹt|zung, die; -, -en: 1. a) <Pl. selten> das Übersẹtzen (1): für die Ü. des Textes [aus dem/vom Spanischen ins Deutsche] hat er drei Stunden gebraucht; Ü Die Ü. des erworbenen Wissens in organisationsspezifisches Handeln, also der gezielte Transfer der neuen Fähigkeiten und Fertigkeiten, wird entweder gar nicht geleistet oder ist Sache der Teilnehmer (FAZ 17. 7. 99, 61); b) übersetzter (1) Text: eine wörtliche, wortgetreue, werktreue, kongeniale, freie, autorisierte, neue, moderne Ü.; die Ü. ist nicht gut, zu frei, miserabel; eine Ü. von etw. machen, anfertigen, liefern; die Bibel in der Ü. von Luther; einen Roman in der Ü. lesen; Bald nach der Entlassung erschien sein Buch »Pour saluer Melville« (1941), das nach dem Krieg ebenfalls in deutscher Übersetzung herauskam (FAZ 16. 7. 99, 40). 2. (Technik) Verhältnis der Drehzahlen zweier über ein Getriebe gekoppelter Wellen; Stufe der mechanischen Bewegungsübertragung: eine andere Ü. wählen; er fuhr mit einer größeren, der kleinsten Ü.

Universal-Lexikon. 2012.

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